Nürtinger Zeitung

Kultur

„Eigenleben“ im Forum Türk

22.06.2019,

NÜRTINGEN (pm). Unter dem Titel „Eigenleben“ werden zwei sehr unterschiedliche Künstlerinnen zu einer Ausstellung in der Galerie Forum Türk vereinigt. Während die Malerin Regine Krupp-Mez in ihren Bildern einen ungewöhnlich kraftvollen Realismus verfolgt, fügt die Objektkünstlerin Veronika Missel textile Materialien und Schallkörper von Blechblasinstrumenten zu skurrilen Plastiken zusammen. Beide haben an der Freien Kunstakademie in Nürtingen studiert. Die Vernissage findet am Sonntag, 30. Juni, 11.30 Uhr, statt. Die Einführung hält die Rektorin der FKN, Dr. Katrin Burtschell. Zu sehen sind die Werke bis zum 28. Juli samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr in der Galerie Forum Türk, Sigmaringer Straße 14 in Nürtingen.

Auf der Kante

01.07.2019, Von Gaby Weiß

Galerie Forum Türk zeigt Regine Krupp-Mez und Veronika Missel mit der Ausstellung „Eigenleben“

 

„Eigenleben“ heißt die Ausstellung in der Galerie im Forum Türk, in der Regine Krupp-Mez (links) Malerei und Veronika Missel Kreaturen und bewegte Objekte aus Wolle und Metall zeigen. 

NÜRTINGEN. Es ist nie einfach, die Arbeiten zweier Künstlerinnen in einer Ausstellung zu zeigen. Wieder einmal hat das Team um Werner Sackmann, das das Programm der Galerie im Forum Türk organisiert, ein glückliches Händchen bewiesen: Die Werke der Malerin Regine Krupp-Mez und der Bildhauerin Veronika Missel ergänzen sich zur sehenswerten Schau „Eigenleben“.

So eigenständig die beiden in Sichtweise und Herangehensweise auch sind, so verbindet beide eine starke Heimatverbundenheit und die Prägung durch die Landschaft der Schwäbischen Alb. „Es ist das Einfache, das ganz Naheliegende, das sie eint, das viele Menschen oft mühsam wiederentdecken müssen“, erläuterte Katrin Burtschell, Leiterin der Freien Kunstakademie Nürtingen (FKN), bei der Vernissage.

Und noch etwas verknüpft die Arbeiten der beiden FKN-Absolventinnen: Sie beeindrucken durch „Eigenleben“, durch inhaltliche Tiefe, bezaubern durch ironische Schwenks und bestechen durch eine Leichtigkeit, die auf- und durchatmen lässt. „Landschaft gibt es nicht ohne den Menschen. Ohne unseren Blick, unsere Empfindungen, ohne unsere Unruhe und unsere Sehnsucht wäre das, was Landschaft genannt wird, nur ein charakteristischer Ausschnitt der Erdoberfläche“, zitiert Regine Krupp-Mez den Schriftsteller Siegfried Lenz. Ihre Acryl-Bilder mit den oft doppelbödigen Titeln zeigen diese Natur, in die der Mensch seine Spuren eingezeichnet hat: Die längst verblichene Hauswand, die früher in Himmelblau und Rosarot strahlte, der Nistkasten in einem abgestorbenen Baum, das am Wegesrand abgestellte Gülle-Fass. Selten weitet sich die Szenerie übers Land, stattdessen richtet Krupp-Mez den vertiefenden Fokus aufs Detail, sie hält fest, verdichtet und lenkt den Blick nach innen.

Die vom Menschen geprägte Natur ist Thema

Es sind seltsam-skurrile Gestalten und irritierende Wesen, die Veronika Missel schafft: Sie heißen Wankel, Grottenwolme, Bartifone oder Lanozyten und haben eine Metallhacke als Fuß, Sektkorken als Augen oder einen Trompeten-Trichter als Gesicht. Wer genau hinschaut, entdeckt ein kleines Nest: Hat da einer der wolligen Gesellen etwa ein Ei gelegt? Kinetische Objekte bringen Bewegung ins Spiel: Ein Haufen Woll-Puschel macht sich als „Pilger“ auf den Weg, ein riesiges Wollknäuel spinnt bedächtig am Lebensfaden des Menschen und ist nach der griechischen Schicksalsgöttin Klotho benannt.

Die Schafwolle, die die Wollkünstlerin zupft, näht, filzt und wickelt, ist eigentlich kuschelig, wärmend und animiert zum Streicheln, kann aber auch fettig, kratzig und schmutzig daherkommen. Ein Korb mit naturbelassener Wolle und eine der großen Kreaturen laden ein: „Mich darf man anfassen.“ Das ist aber alles andere als plüschig, denn es balanciert immer auf der Kante und könnte auch abstürzen ins Ungewisse, in jene dunklen Räume, die jeder in sich trägt.

Die Ausstellung „Eigenleben“ mit Arbeiten von Regine Krupp-Mez und Veronika Missel ist bis zum 28. Juli in der Nürtinger Galerie Forum Türk (Sigmaringer Straße 14) zu sehen. Die Schau ist samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

 

 

Mit filigraner Grafik, Malerei in Öl und Acryl und Skulpturen haben sich die neuen Mitglieder des Böblinger Kunstvereins im Kabinett vorgestellt. Zeitgleich sind im Untergeschoss in der Schleuse 16 surrealistische Skulpturen von Kesta Kestutis zu sehen, die der Besucher per Fußtritt aktivieren kann.

Artikel vom 10. April 2017 - 17:30

Von Anne Abelein

 

BÖBLINGEN. Der Kunstverein braucht über Nachwuchs nicht zu klagen: 17 Neuzugänge in den vergangenen drei Jahren sind es an der Zahl, Amateure sind genauso darunter wie hauptberufliche Künstler. Also bietet man den "Neuen" für drei Wochen eine eigene Plattform.

Gleich im Eingangsbereich des Kabinetts empfangen den Besucher zum Beispiel eindrucksvolle Bilder von Bettina Pradella, die an der Kunstakademie Stuttgart studiert hat. Sie stellt großformatig einen Taucher mit sehr viel Ausrüstung in Öl dar. Im Mittelpunkt stehen dabei ihre hyperrealistische Malweise, die Faszination der technischen Form und die übersteigerten Farbkontraste und Lichtreflexe. Ihr zweiter Beitrag dreht sich um die Digitalisierung. Eine Frau trägt ein Kabelgewirr über der Schulter. Das erinnert an Maschinenmenschen, und auch Kritik ist herauszulesen: Macht sich der Mensch zu abhängig von der Technik? Pradella nutzt für ihre Bilder Ausschnitte aus Zeitschriften und Vorlagen in Schwarz-Weiß: "Ich nehme gern auch selbst aufgenommene Fotos", erzählt sie.

Eine interessante Technik ist ein kleines Stück weiter zu entdecken: Farbfolienschnitte von Susanne Hirche mit großem Strukturreichtum. Sie stammen aus ihren Serien "Superbia" und "Beheimatet" - das eine Bild mutet barock-ornamental an, während Hirche auf dem zweiten auch große Farbflächen zum Einsatz bringt. Die beiden Arbeiten machen Lust auf die gesamten Serien.

Neben der Grafik ist die Skulptur vertreten: Alfred Hübsch hat für seine zweiteilige Arbeit "Goldene Spirale" einen gelb gemaserten, glänzenden Stein bearbeitet und zeigt die Spirale als Positiv- und Negativform. Hier kontrastieren Rundungen und schroffe Kanten. Zu reichen Assoziationen laden Eva Recordons Bilder ein: Rot, Weiß und Ocker und mannigfaltig pastose und gekörnte Oberflächen treffen in ihren vielschichtigen Arbeiten aufeinander.

 

Neues Format soll den Austausch unter den Mitgliedern stärken

 

"Es waren sehr starke Jahre mit vielen Neuzugängen", sagte Vera Reschke, die Vorsitzende des Kunstvereins, am Rande der Vernissage. "Wir haben die Ausstellung veranstaltet, um den Kontakt zu den neuen Mitgliedern zu stärken", erläuterte der stellvertretende Vorsitzende Dr. Günter Baumann. "Manchmal erfordert es Mut, andere Mitglieder anzusprechen", weiß Reschke.

Die Älteste unter den Neuen ist die bereits über 80-jährige Brigitte Pfaffenberger, die aufgrund des fortgeschrittenen Alters bei der Ausstellungseröffnung nicht anwesend sein konnte. Sie hat ein sehr differenziertes Triptychon aus handgeschöpftem Papier mit kleinteiligen, fragilen Filzstift- und Buntstiftlinien in Rot geschaffen. "Das erinnert an japanische Kunst", finden einige Besucher.

Mit manchen Akteuren konnte man bei der Vernissage gut ins Gespräch kommen, etwa mit Regine Krupp-Mez, die ein Bild mit einem abweisenden Zaun namens "Der neue Nachbar" präsentiert. In einem Holzblock steckt eine Axt, und unwillkürlich stellt sich der Betrachter die Frage, welche Leichen er in seinem Garten verborgen halten könnte. Auf diesen Eindruck hin angesprochen meinte Krupp-Mez: "Ich bin auch ein Krimi-Fan".

Karl-Georg Bitterberg hält sich derzeit in Irland auf, im Alten Amtsgericht ist er dennoch präsent: Seine Bleistift-Arbeiten, die den Spuren des Windes in Weiden, Wellen und Schaum und anderen Landschaftselementen nachgehen, machen durchaus neugierig. Er hat bereits mit Gérard Krimmel im Kabinett ausgestellt.

Ausstellung - Städtische Galerie und Kunstverein präsentieren einen Querschnitt durch das Schaffen hiesiger Künstler

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>Personal Paradise<

Gruppenausstellung Galerie der FKN, >Personal Paradise<

Beitrag zum Garten Eden Projekt der Kultur Region Stuttgart

 

Nürtingen Von der Vergänglichkeit des Zuckergusses

Von Gunther Nething 30. Juni 2014 - 08:00 Uhr;

Stuttgarter Zeitung.de

In der Ausstellung „Personal Paradise“ setzen sich Studenten der

Freien Kunstakademie mit einer tief im Menschen verwurzelten

Sehnsucht auseinander. Die Suche nach dem Paradies gleicht einer

Gratwanderung zwischen Hoffnung und Scheitern. Die Schau ist Teil

des regionalen Garten Eden Projekts.

Die Nürtinger Kunststudenten haben, wenn schon nicht das Paradies, dann wenigstens schon mal die gleichnamige Lounge am Neckar besetzt. Foto: Ines Rudel Nürtingen - Wenn Studierende einer Freien Kunstakademie sich mit unterschiedlichen disziplinären Mitteln des Themas „Paradies“ annehmen und das Ganze auch noch mit persönlichen Präferenzen und Sichtweisen unterlegen sollen, dann kann es sich eigentlich nur um bedrohte Paradiese handeln – oder solche, die das Scheitern schon hinter sich haben. Denn im Würgegriff diesseitiger und globaler Katastrophenszenarien entzieht sich wohl kaum ein Begriff so radikal dem heilen Kinderglauben wie der des ungetrübten paradiesischen Urzustandes. Und so entspricht die jetzt eröffnete und bis 20. Juli dauernde Ausstellung „Personal Paradise“ auf dem Melchiorgelände der FKN, das ja selbst für den Verlust zumindest paradiesischer Prosperität steht, erwartungsgemäß weniger der Aufwertung, als vielmehr der Abrechnung mit einer höchst ideologieverdächtige Vokabel aus dem politischen Schlagwortarsenal; hinzu kommt die verbreitete individuelle Lebenserfahrung, wonach dem paradiesischen Glücksgefühl rasch die Ernüchterung auf dem Fuß folgen kann. Selbst oder vor allem Liebesschwüre halten nicht ewig.

Mit den Worten „Kein Paradies – ohne Apfel“ hat denn auch Regine Krupp-Mez ihre großen Bilder in der Galerie überschrieben. Es sind Bilder vermeintlicher Idylle mit versteckt lauernden imaginären Schlangen und Fallschlingen. Und da will selbst die malerische Holzbank am grünen Waldessaum ihren trauten und vertrauten Anblick nicht einlösen, wenn es unvermittelt und explizit heißt, dass just hier „die Großmutter ihre Unschuld verloren hat“.

 

 

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